Die Eibenfreunde und ihr Wahlspruch "Schützen durch Nützen"

 -   www.yew2015.duzce.edu.tr/   -

(Zum Einladungstext und der Ankündigungsinformation bitte nach unten scrollen)


Zuerst aber ein Bericht zum Tagungsablauf:

Eine Delegation von einem Dutzend Eibenfreunden machte sich am 28.09.2016 auf den Weg in die Türkei, um über Istanbul, dem alten Byzanz, nach Düzce zur dortigen neuen Universität zu reisen. Es erwartete uns eine hervorragend vorbereitete Fachtagung zu allerlei Themen rund um die Eibe in der Türkei, eben unsere 22. Internationale Eibentagung, und der 1. Yew Workshop of Turkey in Düzce. Über die Inhalte wird es eine ausführliche Dokumentation der Universität geben und es ist vorgesehen im nächsten Eibenfreund eine ausführliche Zusammenfassung der Inhalte zu geben.

Die Universität Düzce wurde erst 2006 gegründet und vollständig neu an einem Hügel nördlich der Stadt als separates Areal gebaut. Nach dem schweren Erdbeben von 1999 in dieser Region wurde dies zur Stärkung der Region vorgenommen.



Vorort hatte Prof. Dr. Nemci Aksoy mit seinem Team die Tagung hervorragend vorbereitet. In der ersten Woche des beginnenden Wintersemesters waren zwar noch nicht sehr viele Studenten da, so dass das Dutzend Eibenfreunde und die verschiedenen sonstigen Vortragsinterssierten das Auditorium Maximum nicht wirklich ausfüllten. Nach den beiden Vortragstagen ging es dann zuerst an die uralte Geschichte der Region und zwar zu den Ruinen eines römischen Amphitheaters und zu einem sehr gut ausgestatteten regionalen archäologischen Museum. Und dann folgte eine Fahrt in die Berge östliche von Düzce.



In der Bergregion östlich von Dücze gibt es jedoch auch noch viele Eiben, welche nicht in diesem Kataster stehen. Nachdem das Programm der ersten zweieinhalb Tage an der Universität Duecze stattfand, fuhren wir am Nachmittag des dritten Tages in die nahen Berge östlich der Stadt. Nahe einer Forststation am Ende der Wegeerschließung stiegen wir in eine Anzahl von Geländewagen um und fuhren eine steile Waldstraße hinauf, um in einem oberen Steilhangbereich eine alte Monumentaleibe zu besuchen, die unmittelbar am Weg unterhalb desselben steht. Diese Eibe ist aufgenommen und es stehen im weiteren, leider sehr unzugänglichen Bereich ungefähr ein Dutzend weitere solcher Eiben. Auf dem Rückweg machten wir eine Teepause in der Forststation und besuchten eine alte gelistete Esche ungefähr einen Kilometer entfernt noch in der Talsohle. Die Rückfahrt führte noch an einer sehr alten, sehr dicken orientalischen Platane vorbei, die ein Prachtstück der türkischen Monumentalbäume dastellt.

Für die gesamte Türkei gibt es ein Kataster über seltene, alte und außergewöhnliche Baumindividueen. Viele dieser Bäume finden sich in Siedlungsbereichen oder nahe dabei. Aber auch Bäume in der freien Natur sind dort aufgenommen. So finden sich dort auch einige alte Eiben verzeichnet.



Der zweite Exkursionstag führte uns ans Schwarze Meer und dort nach Alapli. Direkt am Ufer wurden wir von örtlichen Forstleuten in der Forstdirektion mit einem Tee empfangen. Danach fuhren wir gut zwei Dutzend Teilnehmer mit Jeep und zwei Kleinbussen in ein nach Süden ausgerichtetes Tal hinein über immer kleiner werdende Siedlungen und dann steil in einer Schlucht hinaus in die Bergwelt. Oben querten wir eine alte Almsiedlung, die heute als Wochenenddomizil genutzt wurde (unser Führer beköstigte uns dort später in einer Hütte), und fanden dann eine riesige Eibe am Weg, welcher wir ausgiebig unsere Aufwartung machten. Unmittelbar hinter dieser Eibe finden sich zwei weitere sehr dicke Eiben, die wir aber kaum erreichen konnten, da wir in diesem Schutzgebiet vom Weg abgehen sollten und auch das Rododendron-Gebüsch ein Durchkommen kaum zuließ. Wege-Gebot, kein Früchte einsammeln und keine Sämlinge mitnehmen – das war für die Eibenfreunde eine nur schwer zu erfüllende Vorgabe. Aber offenbar hat selbst die Universität bei ihren Sammlungen für Herbarien strikte Auflagen und Genehmigungen zu beachten, so dass es bei manchem Eibenfreund missmutige Gesichtsausdrücke zu beobachten waren. Ursprünglich war geplant noch weiter in die Berge zu fahren, um ein Tal zu besuchen, in welchem eine größere Anzahl von Monumentaleiben einzeln aus solchen Rododrengebüsche herausragen, nachdem die ursprüngliche Buchenbestockung in der Vergangenheit abgenutzt wurde. Leider lag an dem Tag eine geschlossene Nebeldecke über der Region und da man diese Eiben nur hätte von weitem anschauen können, fuhren wir – sehr zum Leidwesen von Fred Hageneder, welcher extra eine neue Digitalkamera beschafft hatte, um eben von diesen Eiben Top-Fotos machen zu können - zur einer Mittagspause in diese Almsiedlung zurück und dann wieder ans Schwarze Meer, wo wir unweit noch eine vorchristliche Höhle besichtigen konnten. Die Fahrstrecken erwiesen sich doch als ziemlich weit, wobei wir aber dafür die Rückkehr in immer dasselbe Quartier – ein gehobenes Hotel mitten in der Stadt Duezce – sehr genossen haben. Ein tägliches Zimmerbeziehen und Ausziehen mit Koffer Aus- und Einräumen entfiel dadurch und man wusste, was einen abends erwartete.



Der dritte und letzte Erxkursionstag brachte dann das Highlight. Allerdings hatten wir dazu gut drei Stunden Anfahrt zu absolvieren. Zum Schluss ging es eine Schotterpiste hinauf, die unseren Kleinbus an seine Grenzen brachte. Da wir sowieso gerne einen längeren Spaziergang machen wollten, stiegen wir alle aus und erwanderten uns das Arboretum genannte Waldgebiet mit seinem vielfältigen Eibenvorkommen. Links und rechts des Weges fand sich ein Buchenwald mit allerlei Mischbaumarten und eben einer Vielzahl von unterschiedlich alten Eiben. Ganz oben am Ende des Areals stehen dann direkt am Weg prächtige Monumentaleiben. Wieder machte uns das Wegegebot ein wenig zu schaffen, denn allzu gerne wäre mancher von uns trotz der Steilheit des Geländes in den Wald eingedrungen, um sich näher an einzelne Eiben heranzumachen. Aber obwohl das nicht ging, dieser zweistündige Spaziergang machte schnell wieder wett, dass wir zuvor nicht wirklich viele alte Eiben zu sehen bekommen hatten.



Obwohl das örtlich zuständige Forstpersonal zugegen war, konnten wir nicht in Erfahrung bringen, wie früher eine Nutzung in diesem Waldgebiet stattgefunden hat. Im unteren Hangbereich, vermutlich außerhalb des heutigen strengen Schutzgebietes, waren Brennholzlager am Wegrand aufgestapelt. Kommt man aber in das Schutzgebiet scheint heute keine Holznutzung mehr stattzufinden. Die parzielle Lichtheit der Bestockung scheint aber auf eine frühere Holznutzung hinzuweisen. Ungenutzte ursprüngliche Wälder sind volllständiger in einer geschlossenen Bestockung. In diesem Mischwald findet sich auch der Baumhasel. Auf dem Foto unten ist ein prächtiges Exemplar zu sehen. Zweifellos handelt es sich bei diesem Schutzgebiet Arboretum um einen autochtonen Naturwald und die Eiben sind auch in jüngeren Exemplaren und als Sämlinge zu finden. Auf dem Foto ist auch das örtlich zuständige Forstpersonal, die junge Försterin und der zuständige Amtsvorstand.



Aufgrund der Überziehung des Zeitkontingents für das Exkursionsobjekt beschlossen die Eibenfreunde mehrheitlich auf den geplanten Besuch des für sein ursprüngliches Stadtbild bekannten Safranbolu zu verzichten. Es stand ja noch die lange Heimfahrt auf dem Programm. Dafür hatten wir dann aber noch Zeit für einen Teetrink- und Einkaufs-Stop im Basar eines auf der Rückfahrstrecke gelegenen kleinen Städtchens.

Am Abend gab es ein gemeinsames Essen mit Prof. Dr. Aksoy, der die ganze Veranstaltung für die Eibenfreunde geplant und durchgeführt hat. Das nächste Mal wollen wir noch mehr die Wälder in der Türkei kennen lernen und uns mehr Zeit nehmen, dieselben zu ergehen und zu erkunden. Vielleicht ist bis dahin auch eine Konzeption erstellt und umgesetzt, die es Naturfreunden ermöglicht in dem leider nicht besuchten Tal mit den vielen einzelnen Monumantaleiben sowie dem Reservat Arboretum jeweils einen Expeditionsrundpfad zu den sehenswertesten und bedeutendsten Monumentaleiben einzurichten.


Wer wäre interessiert?

Die uralten Eiben in der Türkei sind einmalig!

Es wurde inzwischen herausgefunden, dass sich unweit des Schutzgebietes Arboretum eine Outdoor-Range befindet, wo man ein einfaches Quartier beziehen kann. Von dort aus ist das Schutzgebiet Arboretum ganz leicht zu erreichen. Um in dieses nicht besuchte Tal mit den einzelnen uralten Eiben zu kommen, kann man in Alapli am Schwarzen Meer Quartier beziehen.

Es wäre für ein Dutzend interessierte Eibenfreunde eine einwöchige Tour mit diesen Zielen organisierbar. Anzufliegen wäre Ankara und auch der Rückflug ginge ab dort. Für die Fahrten wäre ein Kleinbus zu ordern. Incl. Flug muss ein Teilnehmer voraussichtlich mit Kosten in Höhe von 750 Euro rechnen.

Wer Interesse hat, meldet sich bitte bei: thomas@scheeder.eu





1st International Yew Workshop of Turkey in Duzce (TR)

"Management, Conservation & Culture of the Yew forest in the Euro-Siberian Forest Ecosystems"

(zugleich 22. Internationale Eibentagung der Eibenfreunde)

28. September -  4. Oktober 2015

PROGRAMME

28 September 2015:   ARRIVED TO DUZCE-TURKEY
                                     
    - Transfer from Istanbul
                                         - Dinner and meeting Ceremony

29 September 2015:  OPENING CEREMONY AND ORAL PRESENTATOINS
                                       
  - Invited speech
                                         - Ecology a
nd Biodiversity
30 September
2015:  ORAL PRESENTATIONS
                                      
   - Management and Preservation
                                         - Application and Culture of The Yew Trees
                                         - Gala Dinner

01 October 2015:        ROUND TABLE , POSTER PRESENTATIONS AND FIELD TRIP
                                       
  - Round Table, Poster presentations
                                         - Field Trip and Excursions from Yew Forest in Duzce

02 October 2015 :       FIELD TRIP
                                        
-Field Trip and Excursions from Yew Forest in Zonguldak
03 October 2015 :       FIELD TRIP
                                        
-Field Trip and Excursions from Yew Forest in Karabuk
04 October 2015 :       FIELD TRIP AND LEAVING TURKEY
                                        
- NGBB Botanical Garden in Istanbul
                                         - or Karaca Arboretum in Yalova
                                         - Leaving from Turkey


Organizations : Duzce University Faculty of Forestry & DUOF Herbarium, German Yew Society, Bir Event Company  -  Sponsored : Republic of Turkey Ministry of Water Affairs and Forestry Turkey, TUBITAK, Karaca Arboretum, NGBB Botanical Garden

Der Preis für die Reise ab Deutschland all inclusive wird ca. 970 Euro betragen. Es können voraussichtlich verschiedene Abflughäfen gewählt werden.

Anmeldungen nimmt Friedemann Wendt entgegen (Adresse siehe Impressum)


Die Monumentaleiben der Türkei 
(aus: Eibenfreund 13/2006 S. 175ff)
von Fred Hageneder

Zum ersten mal wurde ich durch den Eibenfreund 1 auf die Eiben der Türkei aufmerksam. Dort ist auf Seite 7 ein Foto einer starken Eibe zu sehen, die angeblich in Safranbolu steht (oder stand?). Mehr war z.Z. des ersten Eibenfreundes nicht bekannt, und mehr weiß auch heute niemand: Keiner meiner forstlichen und botanischen Gesprächspartner in der Türkei hatte je von einer alten Eibe bei Safranbolu gehört. Den Ausschlag für eine Eibenreise in die Türkei gab dann ein Foto, das Professor Paule mir sandte und das ihn vor einem un- glaublich dicken Stamm zeigt. Herr Paule empfahl mir daraufhin, mit Dr. Necmi Aksoy von der Universiät Istanbul Kontakt aufzunehmen. Herr Aksoy organisierte nicht nur Besichtigungen in dreti Eibengebieten für mich und meine Lebensgefährtin, sondern reiste auch gleich mit uns als Führer (sein Fachgebiet ist Landschaftsanalyse!) und Dolmetscher (er spricht ausge-zeichnet englisch). Besser hätten wir es nicht treffen können; die Reise wurde ein voller Erfolg, und Herr Aksoy ein guter Freund. "Eibe" auf türkisch heißt übrigens porsuk. Im Nordosten des Landes findet sich außerdem die Bezeichnung ardunc.

Taxus baccata in Kleinasien
Laut BROWICZ UND ZIELIŃSKI 1982 kommt die Eibe ab 600 m Seehöhe recht oft entlang der Schwarzmeerküstengebiete, also im Norden der Türkei, vor; außerdem ab 1000 m im Amanusgebirge im Süden (das auch nach Syrien hineinreicht). (Die Verbeitungskarte für Taxus baccata im Schwarzmeerraum in HAGENEDER 2007 lehnt sich an die Karte dieser Autoren.) DAVIS 1965/1878 nennt weitere, kleinere Standorte und spezifiziert die Vorkommen im Amanusgebirge auf 1.800 – 1.900 m Seehöhe, was zugleich auch die höchste Lage für Taxus in der Türkei darstellt. In Gesprächen mit dem Forstpersonal der Universitäten Düzce und Istanbul erfuhr ich, daß im Amanusgebirge aber nur noch junge Bäume stehen. Da Rieseneiben einstmals durchaus über ganz Europa verbreitet waren – so spricht z.B. der griechische Geograph und Historiker Strabo (63/64 v.Ztr. – 24 n. Ztr.) von Eiben mit 4 m Stammdurchmesser in Ligurien (Nordwestitalien)! – stellt sich die Frage, wann wohl die letzten (ur)alten Eiben im Amanus- und im Taurusgebirge fielen: erst in den letzten Jahr- hunderten, schon unter den Äxten des Römischen Reiches, oder gar schon im letzten vor- christlichen Jahrtausend? Denn für das Altägyptische Reich war der Amanus ebenso wichtig als Holzlieferant wie der Libanon (Meiggs 1982, Hageneder 2007).
Heute stehen die Monumentaleiben der Türkei allesamt in dem Hügelland, das sich durch die gesamte Breite des Landes am Schwarzen Meer entlangzieht; diese Region hat euro- päisch-sibirisches Klima und unterscheidet sich dadurch stark von dem heißtrockenen anatolischen Hochplateau. Die Standorte alter und sehr alter Eiben liegen verstreut von Düzce und Alapli (etwa 4 Stunden Autofahrt östlich von Istanbul) im Nordwesten bis in den äußersten Nordosten des Landes, wo sie allmählich in die Bestände des Kaukasus übergehen. Aufgrund der enormen Größe der Türkei mußten wir uns auf den Nordwesten beschränken. Vom 29. bis 31. Oktober 2004 besuchten wir drei Standorte:

Düzce (Yigilca)
Unweit von der Forstfakultät Düzce, einem Ableger der Universität Istanbul, befindet sich ein großer Bergmischwald. Die örtlichen Förster fuhren uns zielstrebig zu den beiden Eiben-veteranen. An einigen Stellen sahen wir kleine Gruppen junger Eiben an den recht steilen Hängen stehen, oft von Flechten behangen. Der Standort der ersten von uns besuchten Monumentaleibe heißt Karagöknar und liegt in 875 m Seehöhe. Der Baum ist männlich, steht (wie die meisten alten Eiben in der Türkei) an einem Nordhang, hat einen Stammumfang von 476 cm und eine Höhe von 25 m. Sofort fiel uns der hohe Habitus und die relativ schlanke Form der Krone auf, die sich sehr von den eher geduckten Eiben auf den Britschen Inseln unterscheiden. Bei Bogabeli in 1350 m Seehöhe – und ebenfalls an einem Nordhang – steht eine Gruppe von fünf Eiben, von denen die größte ebenfalls als Monumentaleibe bezeichnet werden kann. Ihre Höhe ist 22 m, aber ihren Stammumfang konnten wir nicht messen, da der Hang zu steil ist.

Yenice (Karakuk)
Die Forststation Yenice Orman Isletme Müdürü betreut ein sehr großes Naturschutzgebiet in einer dicht bewaldeten Bergregion. Am von uns besuchten Ort herrschen Eichenarten, Buche (Fagus orientalis), Weißbuche (Carpinus betulus), Tanne (Abies bohrmuelleriana) und Kiefer (P. nigra und P. Silvestris) vor. Das Reservat ist berühmt für seinen Reichtum an Buxus sempervirens – der oft auch direkt unter den Eiben steht – und auch für einige außerordent- lich große orientalische Haselbäume. Die "champion yew" dieser Region ist eine weiblicher Eibe mit 17 m Höhe und dem offiziellen Stammumfang von 690 cm.

Abb. 1


Das gelbe Schild beim Baum gibt außerdem die Seehöhe an: 1200 m (unser Höhenmes- sermaß dagegen 1160 m). Dies ist offiziell die dickste Eibe der Region. Meine Partnerin ent- deckte allerdings einen sehr alten Baum, der noch größer schien, nur schwer zugänglich ist. Nach einem waghalsigen Abstieg über zerklüftete und mit (Dornen-) Gestrüpp völlig über- wachsene Felsbrocken gelangten wir an die Stammbasis einer uralten Monumentaleibe, die fast völlig hohl ist. Tatsächlich hat sie 30 cm mehr Umfang als der offizielle "champion tree", und ihre hohle, zerklüftete Erscheinung läßt sie ohnehin deutlich älter erscheinen, als den offiziellen Rekordhalter. Auch dieser weist einige Spalten im Stamm auf, in deren einer man eine junge Innenwurzel erspähen kann. Dieser, ebenfalls weibliche, Baum dagegen hat wie gesagt einen weitestgehend hohlen Stamm und eine Gruppe gut entwickelter Innenwurzeln.

Alapli (bei Eregli, Zonguldak)
Das Forstamt Alapli Orman Isletme betreut eine Region von etwa 11.000 ha Wald, von denen 200 ha unter Naturschutz stehen. In diesem Gebiet befinden sich die Monumentaleiben. Nach einer über einstündigen Fahrt durch eine schier endlose dicht bewaldete Bergwelt, mit Blicken auf eindrucksvolle Hänge und friedvolle Platanenhaine an Bachsenken, kamen wir am Park-/Piknikplatz an – Piknik ist geradezu eine soziale Institution und ein schöner (und sättigender) Brauch in der Türkei. Doch vor dem Essen gab es Eiben – und was für welche!!! Die Förster führten uns auf eine etwa einstündige Fußwanderung entlang des Schotterweges zielstrebig zu "ihrer" größten Eibe. Der Respekt, den dieser männliche Baum bei ihnen genießt, erinnerte mich an "General Sherman" in den kalifornischen Redwoods (obwohl ich selbst noch nie in den Staaten war). Nach den Akten des Forstamtes handelt es sich um Baum Nr. 217: 920 cm Stammumfang, 293 cm Durchmesser, Höhe 25 m, ca. 970 m See- höhe, Nordwestausrichtung. Wie Ameisen krabbelten wir im Schatten dieses hohen Gigan- ten und ich kam mir eher wie in den Redwoods vor als in einem Eibenwald.

Abb. 2


Danach schritten wir mit schwirrendem Kopf zur zweitgrößten Eibe des Gebietes. Die später im Amt eingesehenen Fortunterlagen sagen: Adi Porsuk, Baum Nr. 195, 800 cm Stamm-umfang, Höhe 20 m, ca. 1.200 m Seehöhe, Südostausrichtung. Dieser Baum ist weiblich und beeindruckt ebenfalls durch seine aufrechte und gigantische Säulenform und seine Kom- paktheit.

Abb. 3


Was uns noch mehr beeindruckte als diese einzelnen Riesenbäume war das gesamte Um- feld: Wir befanden uns in einer Landschaft, in der ganze Hügelflanken von uralten Monumen- taleiben bestanden sind. Gelegentlich mal eine Tanne mit einem noch schlankeren Habitus, aber für die  generelle Wachstumsform von Taxus drängte sich mir hier das Wort "zigarrenför- mig" auf. Erst als ich den anwesenden türkischen Förstern und Botanikern die üblichen flachen Wuchsformen englischer Eiben in den Sand malte, konnten sie unsere Aufregung verstehen – und schüttelten nun selbst verwundert die Köpfe. Darüber hinaus erzählte uns der Forstdirektor Tugrul Baduroglu, dass es in den angrenzenden Tälern noch weitere solch alter Eiben gäbe. Falls diese Information nicht aus einer Fehlübersetzung entstand, hieße das, daß Alapli nicht nur dutzende, sondern gar hunderte solcher "Mammutbäume" beher- bergt (die Baumnummern scheinen das ja zu bestätigen). Aber selbst durch das, was ich mit eigenen Augen gesehen habe (ich war noch nicht im Kaukasus), stellt Alalpli für mich den größten Eibenschatz der Welt dar.
Es ist, als seien m einstigen Hochwald, aus dem im 20. Jahrhundert der Großteil der Bäume, vornehmlich Eichen, Buchen und Tannen, entnommen worden waren, bis auf die alten Eiben. Denn "eine Eibe fällt man nicht ohne Grund", sagen diese Förster! Hat das womöglich Tradition an alle Uralteiben, die sich auf fünf- oder sechshundert englische und walisische Friedhöfe verteilen, an einer Stelle versammelt!Diese einzigartige Landschaft entstand natürlich aus einediesem Ort? Wurden mehrere Generationen von Laubbäumen entnom- men, während die Eiben weiterwuchsen? (Nein, erst mit Unterstützung von deutschen Kol- legen im Zuge eines GTZ-Projektes in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurden diese ursprünglichen Buchennaturwälder in der Region durch Großkahlschlage einer forst-wirtschaftlichen Nutzung unterworfen, Einschub von Dr. Thomas Scheeder) Hier machte sich leider die Sprachbarriere bemerkbar. Unglücklicherweise ist nun aber Rhodendron aufge-kommen und bedeckt den Boden so dicht (und bis über 2 m hoch), daß kein Baumnach- wuchs mehr eine Chance hat. Es ist der Unterwuchs, der auch den Zugang zu vielen der anderen Monumentaleiben ohne Machete oder ähnlichem unmöglich macht. Wie wird es in Alapli weitergehen? Dieser Forstmeister war von allen, die uns begegneten, derjenige, der von sich aus "Ökotourismus" und sein Interesse daran erwähnte. Ich hoffe, eines Tages wiederzukehren – mit den Eibenfreunden?


Abb. 4:



Dendrochrono-Epilog
Wie schon auf Sardinien ließ ich keinen alten Eibenstumpf unberücksichtigt, und ein verwit- tertes Exemplar mit 74 cm Durchmesser zeigte auf einer typischen Strecke eine Dichte von 32 Ringen pro cm. Wenn man es dilletantischerweise wagen wollte, diese Wachstumsrate auf den offiziellen Durchmesser (293 cm) von Baum Nr. 217 ("General Sherman", s.o.) zu übertragen, so käme man auf ein vermeintliches Alter von 4.688 Jahren. Verständlicherweise machte das die Zuständigen etwas nervös, und so wurde vor einiger Zeit eine offizielle Unter- suchung durchgeführt: Von einem Stamm mit 920 cm Umfang nahm man eine Bohrprobe von sage und schreibe 15 cm Tiefe und rechnete diese hoch. Ergebnis: ein geschätztes Alter von 1.600 Jahren. Nur wissen wir inzwischen (ich empfehle die Artikel des Dendrochronolo- gen Andy K. Moir, der wahre Pioniearbeit zur Altersschätzung von Eiben leistet), daß man von Eiben solcher Ausmaße mindestens drei – und natürlich wesentlich tiefere – Bohrproben rund um den Stamm nehmen muß, um überhaupt ernstzunehmende Daten zu erhalten. (Andererseits ist die derartige Verletzung alter Eiben umstritten und wird zumindest in Eng- land eher vermieden. Und die teuren Bohrer brechen im harten Eibenholz allzuoft ab.) So entdeckte Moir, daß die dickste Eibe von Borrowdale in nur wenigen Jahrzehnten einen enormen  Wachstumsgeschwindigkeitszuwachs entwickelte, der sie nun deutlich größer erscheinen läßt als den zweitgrößten Baum, der aber der älteste ist und bleibt (und keine 20 m entfernt steht).

Abb. 5



In Alapli - Was aus der Ferne wirkt wie Wacholder in einer grünen Heidelandschaft sind Monumentaleiben, die sich über 2 m hohen Rhododendron erheben. In den folgenden Jah- ren darf man für Porsuk Nr. 217 wahrscheinlich wieder ein langsameres Wachstum erwarten, in anbetracht der z.Z. stark reduzierten Krone (siehe Abb.). Die Wahrheit bezüglich des Alters mag also, um die englischen Dendrologen White und Tabbush aus vergleichbarem Kontext zu zitieren, "irgendwo in der Mitte" liegen.

Fotos: Fred Hageneder - Literatur: Browicz, Kazimierz und Zieliński, Jerzy (1982). Chronology of Trees und Shrubs in Southwest Asia und Adjacent regions, Band 1. Warsaw, Polish Scientific Publishers - Davis, P.H. (1965/1978). Flora of Turkey und the East Aegean Island, Band 1 und 6, Edinburgh, Edinburgh University Press - Hageneder, Fred 2007: Die Eibe in neuem Licht – Eine Monographie der Gattung Taxus. Neue Erde, Saarbrücken - Mayer, Hannes und Aksoy, Hüseyin (1986). Wälder der Türkei. Stuttgart/New York, Gustav Fischer - Meiggs, Russell 1982: Trees und Timber in the Ancient Mediterranean World. Oxford University Press, Oxford.


Studenten vor der uralten Eibe Nr. 195 (Foto aus dem Internet):